Camino Ingels
Camino Ingels

Camino Ingels

Ferrol – Pontedeume – Betanzos – Bruma – Sigüeiro – Santiago de Compostela

Vorbereitung:
Eigentlich keine spezielle Vorbereitung. Wir sind schon öfters zu Fuß unterwegs: zwei Wanderungen im Vorfeld von ca. 14–17 km und einmal bei etwas höheren Temperaturen. Was auf jeden Fall mitmusste, war meine Zellnahrung: Mein PowerCocktail für den Morgen, Restorate für den Abend, Zellschutz als Sonnenschutz von innen und für länger anhaltende Bräune, Fitness-Drink falls es sehr anstrengend werden sollte, Activize für mehr Energie morgens und zwischendurch sowie einige Riegel als Zwischenmahlzeit.

Gepäck:
Ein Rucksack mit 8 kg in dem alles für die Tage verstaut war inklusive 2 Trinkflaschen und ein Paar Wanderschuhe.

11. August 2025
Ankunft im Hotel Leonardo in Düsseldorf-Ratingen, transferieren am nächsten Tag zum Flughafen Düsseldorf. Um 7:30 Uhr gönnten wir uns erst einmal ein tolles Frühstück, denn wir wussten nicht, wie die Versorgung in den kommenden Tagen sein würde. Einige Riegel für die Zellen und fehlenden Mahlzeiten waren zwar dabei, aber eine gute, handfeste Basis schadet ja nie.

Mit dem Taxi zum Busbahnhof nach A Coruña.

Der Flug startete um 11:55 Uhr Richtung Madrid, dort Umstieg nach A Coruña. In A Coruña nahmen wir ein Taxi zum nächsten Busbahnhof, von dort ging es nach Ferrol. In Ferrol angekommen wurden wir von unseren digitalen Geräten zu unserer ersten Unterkunft „Hotel Silvia“ geführt – ein Hotel mit einem Stern. Es machte aber einen sehr guten Eindruck: Das Zimmer war sauber, es war schön warm und in alles in gutem Zustand. Dass das Hotel nur 1 Stern haben sollte, konnten wir uns zunächst nicht erklären. Meine persönliche Erklärung kam dann nachts: Aus einem Zimmer schallte spanisches Fernsehen, aus Nebengebäuden kamen laute Stimmen bis morgens, zusätzlich hörte man Duschen, Toilettenspülungen, Bewegung im Flur – und es klang wie ein Geräusch von Wellen im Zimmer. „Gab es hier noch ein angeschlossenes Wellenbad?“ Fazit: Ich hatte das Gefühl, mit allen Bewohnern in einem Zimmer zu hausen, inklusive Nachbarn aus dem Nebenhaus, deren Stimmen laut durch die offenen Fenster zu hören waren. Erste Erkenntnis, die Spanier scheinen nachts sehr aktiv zu sein. Nur fehlte mir jetzt eine ordentliche Portion Schlaf, und vor mir lagen die ersten 28 km Richtung Pontedeume.

Ausblick aus dem Fenster „Hotel Silvia“ morgens 5:50 Uhr auf die Dächer von Ferrol und danach.

13. August 2025 – von Ferrol nach Pontedeume

Unser erster festgesetzter Termin war um 9:00 Uhr im Touristenzentrum, um sich die berühmten Pilgerausweise zu besorgen. Das bedeutete pünktlich aufstehen und um 7:30 Uhr Frühstück.

Nach dieser anstrengenden Nacht erst einmal ein Glas „Activize“ und danach mein PowerCocktail. Damit fühlte ich mich doch recht wach und nun ab zum Frühstück.

Mein Frühstück bestand aus getoastetem galicischem Brot mit Tomate und Olivenöl sowie einem doppelten Kaffee. Übersetzt: zwei dickere Scheiben im Aussehen wie Mischbrot und in der Konsistenz wie Baguette, alles getoastet, dazu Olivenöl zum Aufgießen und eine kleine Schale mit zerdrückter Tomate. Es schmeckte nicht schlecht, aber im Vergleich zu dem Frühstück aus Düsseldorf-Ratingen. Naja :). Mit vollem Magen läuft es sich ja auch nicht so gut. Der Kaffee war übrigens sehr gut. Der „Cafè con Leche“ – (Kaffee mit Milch) war, egal wo wir ihn getrunken haben, durchgehend sehr gut.

Nach 20 Minuten Fußweg, gefühlt, quer durch Ferrol hielten wir schließlich unseren Pilgerausweis mit dem ersten Stempel in unserer Hand.

Start:

Auf! Auf! Rucksack gerichtet und erst einmal wieder ein Stück der zurückgelegten Strecke durch Ferrol zurück,
um auf den ausgeschrieben Pilgerweg zu kommen. 27,7 km lagen vor uns.

Die erste Hürde ließ nich schnell auf sich warten: „Wo geht es lang, wo ist die Muschel?“ Der Wege-Plan wurde kurz gezuckt, und schon zeigte uns ein freundlicher Einheimischer prompt die richtige Richtung, in dir wir laufen sollten. Wir mussten garnicht fragen. Das haben wir dann noch ein- oder zweimal wiederholt, bis sich der Weg samt Markierung klar zeigte. Viel Stadt, viel Straßen, vorbei an Wasser und Strand, durch Industriegebiete. Ferrol ist wirklich groß. Aus Ferrol heraus ging es gelegentlich auch bergauf, durch kleine Orte, über naturbelassene Pfade, weiter zu einem weiteren Ort, und so weiter. Am späten Nachmittag, zwischen 15:00 bis 16:00 Uhr, wurde es sehr warm und unsere Füße glühten so vor sich hin. Irgendwann erreichten wir Pontedeume. Auch diese Stadt war nicht klein – wo sollte die Unterkunft liegen?

Wir waren schon etwas erschöpft und mussten tatsächlich noch eine extreme Steigerung bewältigen, fast schon wieder hinaus aus der Stadt, bis wir zu unserer Pension „Mesón Paz“ gelangten. Durchgeschwitzt und ausgepowert kamen wir oben an. Die Pension war mit drei Sternen ausgeschildert – eine Sternenbewertung scheint in Spanien etwas anders zu funktionieren als in Deutschland. Diese 3 Sterne waren irgendwie überbewertet. Wir nahmen unser Zimmer in Empfang und beschlossen, dort, trotz schmuddelligem Ambiente etwas zu essen, denn hinunter in die Stadt und erneut bergauf kam nicht in Frage.

Das Essen im Pommesbuden-Stil war aber in Ordnung, wir waren satt und geduscht. Diese Nacht gab es für mich auch keine Schlafprobleme. Ich hatte ja auch noch einiges aufzuholen. Die ersten 28 Kilometer plus der Anstieg zur Pension lagen hinter uns. Der erste große Strecke war geschafft!

Resümee der ersten Etappe: In der Eifel sind die Wanderwege schöner. Wir liefen über viele Straßen, durch Orte und Städte an Autobahnen und Schnellstraßen vorbei. Wer Land und Leute sehen möchten, kommt hier aber auf seine Kosten. Wer frische Waldluft haben möchte, kam auf diesem Weg nicht auf seine Kosten.

Weg nach Pontedeume.

Morgens gegen 8:30 Uhr begann der nächste Abschnitt unserer Reise nach Betanzos, noch immer lagen 20,3 Kilometer vor uns. Die Temperaturen waren angenehm und ließen uns geschwind wieder auf unseren gut markierten Pfad gelangen. Ein Weg führt an wenigen Häusern vorbei; vor einem davon bot jemand Obst an, das wir gern annahmen. Nach meinem Activize-Drink, einem Power-Cocktail und einem Frühstücksriegel stärkte eine sonnengereifte Orange und ein paar Pflaumen meine Kräfte. Diese Orange war für mich ein wahrer Hochgenuss.

Wir schafften es über kleine Waldwege und durch einige Dörfer bis zu einem Hof, wo Frühstück angeboten wurde. Hier trafen wir auch wieder andere Wanderer der Strecke. Frischer Kaffee, ein regionales Frühstück – Baguette mit typischer Salami, dazu für mich Käse und eine Portion Tortilla Española – gaben uns eine gute Grundlage.

Weiter ging es bis zum nächsten Stopp. Dort gab es alkoholfreies Bier und eine Portion Tortilla Española als Snack. Meine Wegbegleiter werteten erneut Kilometer und Höhenmeter aus, was mich wenig interessierte. Der Weg war hervorragend ausgeschildert, sodass man einfach nur vorwärts wandern konnte, Schritt für Schritt. Die Gelegenheit, in einen leichten Flow zu kommen und in sich hineinzutauchen, war da – schließlich waren wir auf einem Pilgerweg unterwegs.

In Benzoa angekommen, wurde es wieder ganz schön warm, und wir befanden uns erneut in einer großen, am Wasser gelegenen Stadt. Handy heraus, Unterkunft suchten wir erneut. Schließlich fanden wir unser tolles Appartement: zwei Bäder, zwei Schlafzimmer, Waschmaschine und Küchenzeile – alles, was man so braucht. Sehr schöne Unterkunft.

Erst frisch machen, Wäsche anstellen und aufhängen, danach durchforsteten wir die Stadt, während wir gleichzeitig nach einer Gelegenheit zum Essen suchten. Dabei erfuhren wir, dass die Restaurants zwischen 16:00 und 17:00 Uhr schließen. Das Restaurant, das wir beim Eintreffen in Betanzos schon erspäht hatten, öffnete erst wieder um 19:00 Uhr, die Küche sogar erst um 21:00 Uhr. Tja, andere Länder, andere Sitten. Wir landeten in einem Supermarkt, holten Pizza, für mich wieder das spanische Omelett und ging zurück zur Unterkunft.

Beim Essen hatte ich so meine Probleme. Für Menschen, die bewusst unterwegs sind und auf Weißmehl, Wurst oder Fleisch verzichten möchten, stellen sich auf so einem Weg kleine Herausforderungen. Wenn man nicht hungern möchte, bleibt einem nichts anderes übrig, dass zu essen, was auf der Strecke so angeboten wird. Ich habe es überlebt und freue mich wieder über mein gesundes Essen zu Hause. Dank meiner Zellnahrung im Rucksack konnte ich mir alle Nährstoffe zuführen. Oft scheint mir, dass viele Spanier ähnlich wenig auf Qualität achten wie viele Deutsche—außer dem extra nativen Olivenöl. Würde man dieses mit besserem Brot statt Weißmehlbaguette kombinieren, wäre das eine deutlich bessere Ernährung.

Unsere Unterkunft und der Ausblick aus dem Fenster:

Im Apartment versorgten wir uns selbst mit unseren eingekauften Nahrungsmitteln und machten uns anschließend auf den Weg. Morgens frühzeitig aus Betanzos raus, damit wir pünktlich zum Einchecken in unserer nächsten Unterkunft ankamen. Wir verließen die Stadt, stiegen sofort einen Berg hinauf, und es war schon warm mit recht hoher Luftfeuchtigkeit.

Bruma, wir kommen! Wieder 24,4 km durch Orte, Städte, Straßen und Schotterwege. Mein linker Hacken machte inzwischen ganz schön Schmerzen. Die bisher noch kleine Blase, die ich mit einem Blasenpflaster „Compeed“ versorgt hatte, brachte nicht wirklich Erleichterung. Irgendwie wurde sie immer schlimmer. Auf halber Strecke tauschte ich einfach meine Wanderschuhe gegen Sandalen. Endlich Luft an den Füßen, das ging ganz gut. Falls ich nochmal eine solche Wanderung mache, besorge ich mir Wandersandalen oder einen leichten Turnschuh mit etwas dickerer Sohle. Das wäre genauso gut gegangen, zumal wir auf dieser Strecke keine Berge oder Klippen zu überwinden hatten, sondern eher asphaltierte Straßen liefen, die zwar teilweise bergauf gingen, aber keine großen Unebenheiten aufwiesen. Und etwas mehr Luft an den Füßen wäre auch angenehmer gewesen, gerade für mich als Barfußläuferin.

Auch auf dieser Strecke kehrten wir in kleine Kneipen ein, in denen es entweder Kaffee oder Bier gab – alkoholisch oder alkoholfrei. Eine Kneipe war dabei etwas ganz Besonderes: wildes Treiben, ein ganz schönes Durcheinander, und zwei ältere Damen als Betreiberinnen gaben dieser Stube ihr besonderes Flair.

Unser modernes Hostel lag direkt an der Wanderroute in einem kleinen Ort mit zwei Hostels, einem Restaurant, in dem wir ein echtes Pilgermenü genießen konnten, und wenigen Häusern. Dort kamen wir pünktlich an und hatten nach dem Essen noch Zeit, die wir auf dem Hof des Hostels verbrachten. Die Gesichter der anderen Gäste kannten wir inzwischen; schließlich liefen doch alle die gleiche Strecke.

Unser Pilgermenü: 

Unser sehr modernes Hostel. Echte tolle Unterkunft.

Meine Wunde machte mir zu schaffen. Ich wollte alles noch einmal neu versorgen und riss das Blasenpflaster ab. Nicht gut! Es schaute rohes Fleisch hervor. Meine Haut klebte am Pflaster und es blutete etwas. Na toll! Ich hatte schließlich noch einige Kilometer vor mir und dann mit mit diesem Loch im Hacken. Im Hostel gab es eine Spenden-Verbandsbox. Dort suchte ich mir etwas heraus. Morgens dann gut verpackt, und ich muss sagen, es hat gut funktioniert.

Hier ein Tipp für starke Wunden: Zuerst legte ich etwas Verbandsmull auf die Wunde, damit ich es nicht erneut abreiße, sondern es zur Not abweichen kann. Dann kam ein flexibler Wundverband darauf, den ich in zwei Teile geteilt hatte, denn ich hatte noch zwei Strecken vor mir. Den Wundverband fixierte ich dann links und rechts mit einem anderen Pflaster. Und siehe da: Es ging ganz gut. Ich konnte damit laufen, ohne zu starke Schmerzen zu haben.

Von Bruma nach Siguerio. 24,4 km, und meine Hacke war gut verpackt, sodass ich ganz gut laufen konnte. Morgens, zeitig um 7:30 Uhr, los. Alle anderen Hostelbewohner waren schon unterwegs. Der Letzte schließt die Tür hinter sich. Das waren wir. Draußen war es ganz schön frisch: 16 °C, Nebel. Zum Laufen war es nicht schlecht – eine kleine Abkühlung schadet ja auch nicht. Ich startete wieder mit meinem Activize-Getränk für die schnelle Energielieferung, meinem Power-Cocktail, und auf den ersten Metern gab es noch meinen ProShape-Riegel.

Auf diesem Weg gabe es so gar ein Kunstwerk zu sehen. Natürlich sind wir auch wieder in einem Cafe gelandet. Ein Cafe, eine Dorfstraße und einige wenige Häuser, so zeigten sich die kleinen Orte, die wir durchwandert sind.

In Sigüeiro marschierten wir hinein und fanden unsere Unterkunft recht schnell. Nachdem wir uns zurecht gemacht hatten, gingen wir etwas essen und schauten uns die Stadt an. Dabei landeten wir in einem mexikanischen Restaurant, das uns mit dem Spruch: „Bei mir gibt es den schönsten Stempel!“ begrüßte. Und tatsächlich gab es einen Wachsdruck-Stempel – dafür mussten wir alle ein Getränk bestellen. Klever eingefedelt. Jede Kneipe, jedes Restorant auf dem Pilgerweg hält einen Stempel für das Pilgerbuch bereit, dafür wurde dann immer etwas konsumiert. 

Unser Frühstück. Zuerst kam der Teller mit dem Croisssant und Obst und den Kaffee und dann kam noch das traditionelle Brot mit dem Olivenöl und den Tomaten! 

Die letzten 16 Kilometer lagen vor uns. Wir gingen es mit dem Start entspannt an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert