–
Juli 2026
Warum in die Ferne reisen, wenn das Schöne doch so nah liegt? Auch hier gibt es wunderbare Landschaften zu entdecken: Wälder, die noch unberührt und gepflegt wirken, kleine, saubere Dörfer mit liebevoll gestalteten Häusern und abwechslungsreichen Vorgärten. Wohngebiete, Wohnblöcke, die nahezu makellos erscheinen – so ordentlich, dass man kaum glauben mag, wie groß der Kontrast zu anderen Gegenden sein kann, in denen „ausrangierte Sofas vor den Häusern stehen“. Kilometerlange Waldwege führen zu beeindruckenden Felsformationen und eröffnen immer wieder gewaltige Ausblicke über die Landschaft.
Nach unserer Anreise, der ersten Erkundung der Umgebung am ersten Tag und einer unfreiwilligen Ehrenrunde am zweiten – weil wir einer Route aus dem Internet folgen wollten, die sich leider als wenig zuverlässig erwies – starteten wir einen zweiten Versuch. Diesmal führte uns der Weg von Sebnitz zu einem „Tanzplatz“ (Aussichtsplattform) in Tschechien (Bömische Schweiz). Die Strecke verlief über wunderschöne Waldwege und bescherte uns bereits eine stattliche Anzahl an Kilometern.

Während dieser Ehrenrunde kamen wir aber in den Genuss, einen von der Europäischen Union finanzierten Radweg in der Böhmischen Schweiz zu entdecken. Eingebettet zwischen Mischwald, Sträuchern und Wiesen führte der perfekt asphaltierte Weg durch die Landschaft – allerdings nur bis zu einem Schotterweg im Wald, an dem er abrupt endete. Dort stand außerdem ein einzelnes Haus, einsam mitten im Wald.
Da drängte sich unweigerlich der Gedanke auf: „Hier wurden öffentliche Gelder wirklich sinnvoll investiert.“ 🙂 Und damit auch jeder Wanderer oder Radfahrer, der sich dort hin verirrt, diese bemerkenswerte Leistung zu würdigen weiß, fehlte natürlich auch das Hinweisschild nicht: „Von der Europäischen Union finanziert.“ 🙂
Route Unger-Berg und Götzinger-Höhe
9,4 km und Anspruch 1, Auf- und Abstieg 193 Meter


Es war eine wundervolle Wanderung, die sich gut bewältigen ließ. Die kleinen Orte, die wir durchquerten, waren wunderschön und luden zum Verweilen ein. Bei herrlichem Wetter konnten wir die beeindruckende Natur in vollen Zügen genießen – eine rundum gelungene Wanderung.
An einem Regentag bietet sich ein Besuch der Festung Königstein durchaus an – vorausgesetzt, man interessiert sich für ihre Geschichte. Einige der Ausstellungsräume musste ich jedoch recht schnell wieder verlassen. Die Darstellungen von Krieg und militärischer Vergangenheit schwingen mit niedrigen und bedrückenden Energien, die nur schwer auszuhalten sind.
Route – Goßdorfer Raub-Schloss
12,7 km, Anspruch 3, Auf- und Abstieg 400 Meter

Eine Tour durch wunderare Aussichten, geheimnissvollen Ruinen und durch reizvolle Täler!
Goßdorf hat uns nachhaltig beeindruckt. Unsere Wanderung begann in diesem charmanten Dorf und führte uns an zahlreichen liebevoll erhaltenen Häusern vorbei. Vor vielen Grundstücken standen Informationstafeln, die die Geschichte der jeweiligen Gebäude erzählten. Dadurch fühlte sich der Spaziergang fast wie eine kleine historische Dorfführung an.


Von dort aus ging es weiter durch wunderschöne Wälder. Dieses Mal führte der Weg über anspruchsvolle Pfade, vorbei an beeindruckenden Felsformationen bis hin zu den Überresten eines ehemaligen Raubschlosses. Die abwechslungsreiche Landschaft und die geschichtsträchtigen Orte machten diese Wanderung zu einem besonderen Erlebnis.


Goßdorf ist für uns ein beeindruckendes Beispiel dafür, was eine Dorfgemeinschaft mit Eigenverantwortung, Zusammenhalt und Eigeninitiative erreichen kann. Nach dem Stand von 2023 zählte der Ort 192 Einwohner, von denen 100 Mitglied im gemeinnützigen Goßdorfer Verein sind.
Alle Mitglieder verpflichten sich, ihren Beitrag zu einem gepflegten und lebenswerten Dorf zu leisten. Mit viel Engagement haben sie unter anderem eine Freizeitanlage mit Freibad geschaffen, einen kleinen Imbisswagen eingerichtet und eine Straße gestaltet, in der historische landwirtschaftliche Geräte ausgestellt werden. So bleibt nicht nur die Geschichte der Region lebendig, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl.


Goßdorf ist ein Dorf, das Verantwortung übernimmt, Tradition bewahrt – zeigt, was gemeinschaftliches Handeln bewirken kann und Haltung zeigt.

Route: Caspar-David-Friedrich-Weg
15 km, Anspruch 2, Auf- und Abstieg 395 Meter
Wandeln auf den Spuren des Meisters; innehalten und einen seiner Sprüche lesen, an den Stellen an denen er gezeichnet hat. Es ist eine Route, die der Maler während seines Krippener Exils zwischen Frühlung und Herbst des Jahres 1813 vermutlich oft genutzt hat. Anhand der damals entstandenen Zeichnungen lassen sich seine Standorte und Motive noch heute finden.
„Nichts ist Nebensache in einem Bilde, alles gehört unumgänglich zu einem Ganzen, darf also nicht vernachlässigt werden.“ – Caspar-David Friedrich –

„Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehst dein Bild. Dann förder zutage, was du im Dunkeln gesehen, dass es zurückwirke auf andere von außen nach innen.“ – Caspar-David-Friedrich –
Unsere Wanderung begann in Krippen, einem charmanten kleinen Dorf, das uns sofort begeisterte. Zahlreiche kunstvoll gestaltete Sonnenuhren schmücken die Hausfassaden und verleihen dem Ort einen ganz besonderen Charakter. Sehr originell fanden wir eine alte Telefonzelle, die liebevoll in eine kleine Büchertauschstation umgestaltet wurde. Ein idyllischer Bachlauf, der sich durch den Ort schlängelt, rundet das malerische Ortsbild harmonisch ab.
„Des Künstlers Gefühl ist sein Gesetz. Die reine Empfindung kann nie naturwidrig, immer nur naturgemäß sein.“
– Caspar-David-Friedrich-






„Groß ist das Bild, und dennoch wünscht man es immer noch größer; denn die Erhabenheit in der Auffassung des Gegenstandes ist groß empfunden und fordert immer noch größere Ausdehnung im Raume.“
– Caspar David Friedrich –

Wachberg und Tanzplan (Tančínice)
15,5 km, Anspruch 2, Auf- und Abstieg 457 Meter

Zwei Länder, zwei Gipfel, zwei Panoramen: Die Zwei-Gipfel-Tour entführt in das weniger bekannte sächsisch-böhmische Wandergebiet rund um Sebnitz, der einstigen europäischen Hauptstadt des Kunstblumenhandwerks.
Eine weitere wunderschöne Wanderung führte uns, wie so oft, durch beeindruckende Wälder und abwechslungsreiche Landschaften. Neben den herrlichen Naturerlebnissen konnten wir an diesem Tag auch einen „interessanten“ 🙂 Preisvergleich zwischen Deutschland und Tschechien erleben.
Auf dem Wachberg, in der Wachbergbaude, gönnten wir uns eine kleine Erfrischung in Form einer Weinschorle – serviert im klassischen Weißweinglas, ca. 1/4 gefüllt, für 4,90 €. Später, auf der Aussichtsplattform in Tančínice in Tschechien, erwartete uns eine ganz andere Preisgestaltung: 0,5 Liter Bier und 0,5 Liter Weißweinschorle für zusammen 4,20 €.
Auf dem Wachberg gönnten wir uns eine kleine Erfrischung in Form einer Weinschorle – serviert im klassischen Weißweinglas, gefüllt mit etwa 0,4 Litern, für 4,90 €. Später, auf der Aussichtsplattform in Tančínice in Tschechien, erwartete uns eine ganz andere Preisgestaltung: 0,5 Liter Bier und 0,5 Liter Weißweinschorle für zusammen 4,20 €.




Bielatals Felsenwelt
9,4 km, Anspruch 2, Auf- und Abstieg 308 Meter

Das Bielatal zählt zu den beliebtesten Klettergebieten der Region und beeindruckt mit seiner einzigartigen Felsenlandschaft. Auch als Wanderer kommt man hier voll auf seine Kosten: Zahlreiche Felsformationen laden dazu ein, erklommen zu werden, und belohnen den Aufstieg mit atemberaubenden Ausblicken. Die Kombination aus imposanter Natur, abwechslungsreichen Wegen und den besonderen Panoramen macht das Bielatal zu einem unvergesslichen Wandererlebnis.


Gedächtnishain – erwähnt erstmals als „Syrenengrund“ in einem „Biela-Führer“ aus dem Jahr 1826. Später war er bekannt als Dölitzschgarten bzw. -ruhe. Nach dem Erwerb der ehemaligen Wasserheilanstalt Schweizermühle durch die MAGGI-Gesellschaft 1912 ließ diese um 1928/29 den Felshain in eine Gedenkstätte für ihre gefallenen Mitarbeiter im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und im 1. Weltkrieg 1914/18 umgestalten. Fazit: MAGGI kommt aus der Sächsichen Schweiz?

Sebnitz – die Stadt an der tschechischen Grenze und Kunstblumen-Museum/Werkstatt
Die Deutsche Kunstblume Sebnitz zählt zu den wenigen Manufakturen weltweit, in denen noch heute künstliche Blumen in traditionaller Handarbeit hergestellt werden. Bereits seit 1834 ist dieses Handwerk hier zu Hause.




Einmal an der Elbe sitzen
Ein kleiner Abstecher direkt an die Elbe führte uns zu einem gemütlichen Zwischenstopp, bei dem wir uns etwas Leckeres gönnten. Die entspannte Atmosphäre, die schöne Umgebung und der herrliche Blick auf die Elbe machten diesen Moment zu einer besonderen kleinen Auszeit.

Interessantes an den Weg-Rändern




Fazit:
Wer die Natur intensiv erleben, sich aktiv bewegen und gleichzeitig beeindruckende Landschaften entdecken möchte, dem können wir die Sächsische Schweiz und auch einen Abstecher in die Böhmische Schweiz wärmstens empfehlen.
Die abwechslungsreichen Wanderwege führen durch faszinierende Wälder, vorbei an imposanten Felsformationen und durch kleine, liebevoll erhaltene Orte mit viel Geschichte und Charakter. Die Mischung aus Naturerlebnis, Bewegung, Kultur und den vielen besonderen Begegnungen macht diese Region zu einem unvergesslichen Reiseziel.

No responses yet